Interpellation: Digitaler Dorfplatz

Vorstossart: Interpellation
Vorstoss-Nr.:I 155
Richtlinienmotion:---
Behandlung im Stadtrat:18.06.2026
Eingereicht am:20.11.2025
Eingereicht von:Schwab Martin (SP)
Mitunterzeichnende:---
Beschluss Gemeinderat:12.05.2026
Aktenzeichen:nid 0.1.6.2 / 9.17
Ressort:Präsidiales
Antrag Gemeinderat:Geht an den Stadtrat

Antrag

Der Gemeinderat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:

  1. Hat der Gemeinderat bereits eine Evaluation oder Abklärung über die Einführung einer digitalen Kommunikationsplattform wie Crossiety vorgenommen?
    Falls ja: Welche Ergebnisse und Erfahrungen liegen vor?
  2. Wie beurteilt der Gemeinderat den möglichen Nutzen eines „Digitalen Dorfplatzes“ für Nidau – insbesondere im Hinblick auf Informationsaustausch, Bürgernähe, Vereine und lokale Wirtschaft?
  3. Welche finanziellen und personellen Ressourcen wären für die Einführung und den Betrieb einer solchen Plattform (z. B. Crossiety) erforderlich, und wie könnte deren Finanzierung sichergestellt werden?
  4. Wie fügt sich die Einführung eines Digitalen Dorfplatzes in die Digitalstrategie oder Kommunikationsstrategie der Stadt Nidau ein? Bestehen bereits übergeordnete Ziele oder Projekte im Bereich E-Government, Smart City oder Bürgerkommunikation, an die eine solche Plattform anknüpfen könnte?
  5. Wäre der Gemeinderat bereit, ein Pilotprojekt oder eine Testphase mit Crossiety oder einer vergleichbaren Lösung zu prüfen, um den praktischen Nutzen für Nidau zu evaluieren?

Begründung

Die Digitalisierung verändert zunehmend die Art und Weise, wie Gemeinden mit ihrer Bevölkerung, den Vereinen und lokalen Betrieben kommunizieren. Digitale Plattformen wie der Digitale Dorfplatz von Crossiety bieten eine Möglichkeit, lokale Informationen, Veranstaltungen und Dienstleistungen auf einer sicheren, datenschutzkonformen und vertrauenswürdigen Plattform zu bündeln.

Mehrere Gemeinden in der Schweiz, darunter Täuffelen-Gerolfingen, Orpund und Pieterlen setzen Crossiety bereits erfolgreich ein, um den Austausch zwischen Einwohnerinnen und Einwohnern zu fördern und die lokale Gemeinschaft zu vernetzen.

Vor rund zwei Monaten wurde in Nidau der neue Dorfplatz feierlich eingeweiht – ein Ort, der Begegnung, Austausch und lokales Leben fördern soll. Dieses Engagement zeigt, dass Nidau der Stärkung der lokalen Gemeinschaft und des Gewerbes grosse Bedeutung beimisst.

Ein digitaler Dorfplatz könnte diese Bemühungen ergänzen, indem er die analoge Begegnungsstätte durch einen virtuellen Kommunikationsraum erweitert und das Miteinander im Alltag – insbesondere auch zwischen den physischen Treffen – unterstützt.

Angesichts der urbanen Struktur Nidaus mit einer aktiven Bevölkerung, zahlreichen Vereinen und kleinen Gewerbebetrieben stellt sich die Frage, ob ein solches Instrument auch hier einen Mehrwert bringen könnte – insbesondere zur Förderung der lokalen Identität, der Bürgerbeteiligung und der Nachbarschaftshilfe.

Antwort des Gemeinderats

1. Hat der Gemeinderat bereits eine Evaluation oder Abklärung über die Einführung einer digitalen Kommunikationsplattform wie Crossiety vorgenommen?
Falls ja: Welche Ergebnisse und Erfahrungen liegen vor?
Ja, wie im Antrag an den Stadtrat vom 12. September 2024 für die Gesamterneuerung des Onlineportals der Stadt Nidau transparent dargelegt wurde, hat der Gemeinderat die Einführung einer Gemeinde App u.a. mit einem digitalen Dorfplatz geprüft, eine Umsetzung aber im Rahmen dieses Projekts aus Kostengründen verworfen.

2. Wie beurteilt der Gemeinderat den möglichen Nutzen eines „Digitalen Dorfplatzes“ für Nidau – insbesondere im Hinblick auf Informationsaustausch, Bürgernähe, Vereine und lokale Wirtschaft?
Der Gemeinderat sieht in einer Gemeinde App resp. einem digitalen Dorfplatz Potenzial, insbesondere um die Gemeinschaft digital noch mehr zu verbinden und die Kommunikation weiter zu vereinfachen. Nahbarkeit, Transparenz und aktive Vernetzung lokaler Akteure sind Kernanliegen des Gemeinderats und bilden ein wichtiges Fundament einer offenen und lebendigen Gemeinschaft. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Anspruchs- und Zielgruppen konkret adressiert werden sollen und ob ein zusätzlicher Kommunikationskanal geeignet ist, diese effektiv zu erreichen. Darüber hinaus ist zu klären, welche Inhalte bereitgestellt werden sollen und welchen Mehrwert sie für die Zielgruppen bieten. Die Akzeptanz und Begeisterung von Bevölkerung, Vereinen, Gewerbe und weiteren Akteuren für eine neue Plattform zu gewinnen, kann sich als anspruchsvoll erweisen. So haben beispielsweise einige Gemeinden die Zusammenarbeit mit der Plattform Crossiety bereits wieder eingestellt, da das Angebot zu wenig genutzt wurde (siehe beispielsweise «Crossiety erweist sich für viele Gemeinden als Flop», Tages Anzeiger vom 25. Juli 2024). Aus diesem Grund setzt die Stadt Nidau bislang insbesondere auf etablierte Plattformen, auf denen die Bevölkerung ohnehin unterwegs ist.

3. Welche finanziellen und personellen Ressourcen wären für die Einführung und den Betrieb einer solchen Plattform (z. B. Crossiety) erforderlich, und wie könnte deren Finanzierung sichergestellt werden?
Wie im Stadtratsantrag vom 12. September 2024 transparent ausgewiesen wurde, ist die Einführung einer Gemeinde App gemäss damaliger Kostenschätzung mit einmaligen Kosten von rund 17 300 Franken und mit jährlich wiederkehrenden Kosten von mindestens 4 300 Franken verbunden, die zulasten der Softwarelizenzen anfallen würden. Je nach Lösung sind auch mit deutlich höheren wiederkehrenden Lizenzkosten zulasten der Gemeinde zu rechnen. Der personelle Aufwand lässt sich aktuell nur schwer beziffern, dürfte jedoch für eine professionelle und erfolgreiche Lancierung sowie den laufenden Betrieb beachtlich sein.
Im Zuge der Umsetzung der Finanzstrategie liegt der Fokus des Gemeinderats derzeit grundsätzlich darauf, die IT-Kosten angemessen zu begrenzen. Die Lizenzkosten werden sorgfältig überwacht und auf das für die Aufgabenerfüllung erforderliche Mass reduziert. Hinsichtlich der personellen Ressourcen hat der Stadtrat mit Beschluss vom 12. September 2024 beschlossen die Gesamtzahl der Stellen bis zum 1. Januar 2028 um 100 Stellenprozente zu reduzieren, weshalb der Gemeinderat derzeit mit neuen freiwilligen Aufgaben zurückhaltend ist.

4. Wie fügt sich die Einführung eines Digitalen Dorfplatzes in die Digitalstrategie oder Kommunikationsstrategie der Stadt Nidau ein? Bestehen bereits übergeordnete Ziele oder Projekte im Bereich E-Government, Smart City oder Bürgerkommunikation, an die eine solche Plattform anknüpfen könnte?
In Bezug auf die Grundsätze und Zielsetzungen lässt sich die Einführung eines digitalen Dorfplatzes sehr gut in die bestehende Digitalstrategie und das Informationskonzept der Stadt Nidau integrieren. Zugleich ermöglichen diese bestehenden Grundlagen ein strukturiertes Vorgehen mit definierten Prioritäten und einem sorgfältigen, ressourcenschonenden Einsatz der vorhandenen Mittel. Auf der Roadmap der Digitalstrategie befindet sich dieses Vorhaben aufgrund der erfolgten Prüfung im Rahmen der Gesamterneuerung des Onlineportals der Stadt Nidau im Status «aktuell verworfen».

5. Wäre der Gemeinderat bereit, ein Pilotprojekt oder eine Testphase mit Crossiety oder einer vergleichbaren Lösung zu prüfen, um den praktischen Nutzen für Nidau zu evaluieren?
Aufgrund des hohen Initialaufwands für die Lancierung stellt der Gemeinderat in Frage, ob ein Pilotprojekt zielführend sein könnte. Sollte der Stadtrat den Gemeinderat mit einem entsprechenden Anliegen beauftragen, wird das Vorhaben prioritär in die Roadmap aufgenommen. Unabhängig davon wird der Gemeinderat laufend aktuelle Entwicklungen und Kommunikationsplattformen beobachten, evaluieren und gezielt jene Lösungen weiterverfolgen, bei denen Kosten und Nutzen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Vorstösse im Original

 

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