Postulat: Beidseitiger Bahnübergang Bahnhof Beunden
| Vorstossart: | Postulat |
| Vorstoss-Nr.: | P 238 |
| Richtlinienmotion: | --- |
| Behandlung im Stadtrat: | 17.09.2026 |
| Eingereicht am: | 19.03.2026 |
| Eingereicht von: | Schwab Martin (SP), Edelmann Sasha (FDP), Meier Svenja (SVP) |
| Mitunterzeichnende: | Fischer Martin, Friedli Tamara, Gabathuler Leander, Geiser Eliane, Girardin Baumgartner Nadja, Kuby Hannah, Ledermann Philipp, Oehme Marlene, Pauli Pauline, Rubin Michael, Stampfli Christian, Stampfli Monika |
| Beschluss Gemeinderat: | 18.08.2026 |
| Aktenzeichen: | nid 0.1.6.2 / 10.2 |
| Ressort: | Präsidiales |
| Antrag Gemeinderat: | Ablehnung |
Antrag
Der Gemeinderat wird aufgefordert, in einem Postulat zu prüfen, wie ein beidseitiger Bahnübergang beim Bahnhof Beunden unter Berücksichtigung des Agglomerationsprojekts der fünften Generation realisiert werden kann.
Begründung
Ausgangslage
Der Bahnhof Beunden in Nidau wurde vor noch nicht so langer Zeit neugestaltet und modernisiert. Diese Investition in die lokale Infrastruktur ist grundsätzlich zu begrüssen. Allerdings weist die heutige Anlage einen erheblichen Mangel auf: Auf der Seite gegen die angrenzende Industriezone fehlt ein direkter Bahnübergang. Damit ist die Bahn für einen bedeutenden Teil der potenziellen Nutzerinnen und Nutzer – insbesondere die Mitarbeitenden der dort ansässigen Unternehmen – nur auf einem grossen Umweg erreichbar.
Zudem sind im Bereich der Industriezone weitere grössere Entwicklungs- und Bauprojekte angedacht. Ohne entsprechende Anbindung an den öffentlichen Verkehr droht der Bahnhof Beunden sein volles Potenzial nicht zu entfalten.
Begründung und Argumente:
Vermeidung unnötiger Umwege für Arbeitnehmende
Ohne beidseitigen Bahnübergang sind die Mitarbeitenden der Unternehmen in der Industriezone gezwungen, grosse Umwege in Kauf zu nehmen, um den Bahnhof zu erreichen. Dies erhöht den zeitlichen Aufwand für den täglichen Arbeitsweg erheblich und schmälert die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs als Transportmittel. Ein direkter Zugang würde die Wegzeit signifikant reduzieren und die Nutzung spürbar fördern.
Förderung der Standortattraktivität der Industriezone
Eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist ein zentrales Kriterium für Unternehmen bei der Standortwahl und bei der Rekrutierung von Fachkräften. Ein beidseitiger Bahnübergang würde die Industriezone Nidau im regionalen und überregionalen Standortwettbewerb stärken und vorhandene Unternehmen bei der Gewinnung qualifizierter Mitarbeitenden unterstützen.
Zukunftsfähige Planung für anstehende Entwicklungsprojekte
Da in der Industriezone bereits grössere Entwicklungsprojekte angedacht sind, ist es sinnvoll, die Verkehrsinfrastruktur vorausschauend zu planen. Die Motion fordert daher jetzt zu handeln und die Planung dafür aufzunehmen.
Unterstützung nachhaltiger Mobilität
Ein direkter Zugang zum Bahnhof erleichtert die Nutzung des öffentlichen Verkehrs. Dadurch werden Mitarbeitende und Besucherinnen und Besucher motiviert, häufiger mit Bahn, Bus, Velo oder zu Fuss anzureisen. Dies entspricht den Zielen einer nachhaltigen Verkehrs- und Stadtentwicklung.
Fazit
Die damalige Neugestaltung des Bahnhofs Beunden war ein wichtiger Schritt für Nidau – doch solange die Industriezone keinen direkten Zugang zur Bahn erhält, bleibt die Erneuerung unvollständig. Ein beidseitiger Bahnübergang ist keine Luxusmassnahme, sondern eine logische Konsequenz aus dem Anspruch, nachhaltige Mobilität zu fördern, ansässige Unternehmen zu stärken und zukünftige Entwicklungen vorausschauend zu begleiten. Die Motion fordert den Gemeinderat auf, diesen Schritt jetzt in die Planung aufzunehmen und damit ein klares Signal für eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik in Nidau zu setzen.
Antwort des Gemeinderates
a) Formelles
Mit einem Postulat kann jedes Stadtratsmitglied das Begehren stellen, dass der Gemeinderat ein bestimmtes Geschäft prüft und dem Stadtrat über das Ergebnis der Prüfung berichtet (Artikel 50 Stadtordnung; Artikel 71 Absatz 3 Geschäftsordnung des Stadtrats). Gegenstand des vorliegenden Vorstosses ist es, zu prüfen, wie ein beidseitiger Bahnübergang beim Bahnhof Nidau Beunden realisiert werden kann, damit das angrenzende Industrie- und Gewerbeareal einen direkten Zugang zur Bahn erhält. Damit soll die nachhaltige Mobilität gefördert, ansässige Unternehmen gestärkt und zukünftige Entwicklung vorausschauend begleitet werden.
b) Inhaltliche Beantwortung
Der Gemeinderat teilt das Anliegen der Postulantinnen und Postulanten dahingehend, dass eine optimale Erschliessung mit dem Bahnhof Nidau Beunden ein zentrales Schlüsselelement zur Stärkung und Weiterentwicklung dieses angrenzenden Wirtschafts- und Innovationsstandorts darstellt und gleichzeitig dazu beiträgt, den Verkehr nachhaltig aufzufangen. Die zukunftsgerichtete Weiterentwicklung dieses potenzialstarken Standorts sowie die Lenkung der Pendlerströme auf flächeneffiziente Verkehrsmittel erachtet der Gemeinderat als äusserst wichtig.
Gegenwärtig eröffnen sich neue Perspektiven für die Arealentwicklung, da das Projekt Porttunnel gemäss der Gesamtmobilitätsstudie Biel/Bienne West vom September 2025 nicht mehr weiterverfolgt wird. Dadurch fallen die bisherigen planerischen Einschränkungen in diesem Perimeter weg, was Raum für neue Entwicklung schafft.
Vor diesem Hintergrund steht die Stadt Nidau im engen Austausch mit den involvierten Partnern, namentlich der Arealeigentümerin und der Aare Seeland mobil (ASm). Erste Abklärungen zeigen, dass der Neubau von höhengleichen Bahnübergängen gemäss Artikel 37a ff. der Eisenbahnverordnung nicht zulässig ist.
Eine mögliche Alternative wäre eine Unterführung, die jedoch enorme Kosten verursachen würde. Das Vorhaben ist derzeit mit geschätzten Kosten von 4,3 Millionen Franken im Agglomerationsprogramm der 5. Generation angemeldet mit einem Umsetzungshorizont ab 2032. Die Kosten müsste die Stadt Nidau tragen. Eine finanzielle Beteiligung der ASm wäre denkbar, wenn im Gegenzug der bestehende Bahnübergang bei der Bushaltestelle Grasgarten aufgehoben würde. Zudem bestünde die Option einer Planungsvereinbarung mit der Eigentümerschaft. Die Beiträge aus dem Agglomerationsprogramm dürften rund ein Drittel der Summe abdecken. Dennoch würde eine immense finanzielle Restlast für die Stadt Nidau verbleiben, die derzeit in der Investitionsplanung noch nicht berücksichtigt ist.
Angesichts dieser Ausgangslage erachtet der Gemeinderat die zu erwartenden Kosten als unverhältnismässig hoch und für die Stadt Nidau auf absehbare Zeit als nicht tragbar. Mit Blick auf die Legislaturziele und das Finanzpaket 2026–2029 sowie die bestehenden Herausforderungen bei anstehenden Grossinvestitionen sieht der Gemeinderat keinen finanziellen Spielraum für ein solches Projekt.
Sollte die Weiterentwicklung zeigen, dass die beidseitige Erschliessung des Bahnhofs Beunden für die Arealeigentümerin ein elementares Kriterium für den Ausbau oder die künftige Arealnutzung darstellt, wäre allenfalls eine Variantenstudie zur Ermittlung kostengünstigerer Alternativen zu prüfen. Eine solche müsste das Ziel verfolgen, den Nutzen und die finanzielle Tragbarkeit für die Stadt Nidau in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen sowie das finanzielle Risiko für die Stadt zu minimieren.
Stadtratsbeschluss
Einstimmige Ablehnung bei einer Enthaltung