Mit Zustimmung des Stadtrats beauftragte der Gemeinderat 2015 ein externes Büro mit der Analyse der Schulraumsituation in Nidau. Ziel dieser Planung war es, den Sanierungs- und Erneuerungsbedarf bei den Schulanlagen festzustellen. Zudem sollte ermittelt werden, wie sich die Entwicklung der Anzahl Schülerinnen und Schüler auf den zukünftigen Raumbedarf auswirkt.
Der Schlussbericht Schulraumplanung vom Juni 2016 zeigte den grossen Sanierungs- und Erneuerungsbedarf der Nidauer Schulanlagen auf. Diese stammen mehrheitlich aus den 1960er- und 1970er-Jahren und genügen den heutigen Erfordernissen des Unterrichts teilweise nicht mehr. So fehlt es beispielsweise an geeigneten Räumen für das Arbeiten in Gruppen.
Nidau ist Standort des Oberstufenzentrums des Schulverbands Nidau mit den Verbandsgemeinden Nidau, Ipsach, Port, Bellmund, Jens, Hermrigen und Merzligen. Der Bericht kam zum Schluss, dass für die Primarstufe und die Sekundarstufe I Raum für zusätzliche Schulklassen geschaffen werden muss. Auch die ausserschulische Betreuung (Tagesschule) ist dringend auf zusätzliche Räume angewiesen.
2017 beschloss der Stadtrat das weitere Vorgehen. Er sprach sich dafür aus, in einem ersten Schritt rasch einen Neubau am Standort Burgerbeunden zu errichten. Mit diesem sollen die dringendsten Raumbedürfnisse abgedeckt werden und Nidau Spielraum für eine längerfristige Schulraumplanung erhalten. Der Standort Burgerbeunden drängte sich auf, weil dort neben den Schulhäusern Beunden und Burgerallee ausreichend Platz für den Neubau vorhanden ist. Dieser soll auch die Tagesschule Beundenring und den Kindergarten Birkenweg aufnehmen.
Aus dem vom Stadtrat bewilligten und 2017 durchgeführten Architekturwettbewerb ging das Architekturbüro Morscher Architekten aus Bern als Sieger hervor. Dessen Projekt wurde der Bevölkerung im April 2018 anlässlich einer Ausstellung der 13 Wettbewerbseingaben vorgestellt.
Anfang 2019 nahm der Bauausschuss zusammen mit den Architekten die Planung in Angriff. Am 20. Juni des gleichen Jahres genehmigte der Stadtrat einen Projektierungskredit von 1,157 Millionen Franken, um das Bauprojekt und den Kostenvoranschlag auszuarbeiten.
Am 27. September 2020 bewilligte die Bevölkerung von Nidau Verpflichtungskredit von 21,852 Millionen Franken. In der Folge wurde 2021 mit den Bauarbeiten begonnen. Das neue Schulhaus konnte im Herbst 2023 in Betrieb genommen werden.
Die aus den 1960er-Jahren stammende Schulanlage Weidteile weist gemäss der Schulraumplanung der Stadt Nidau aus dem Jahr 2017 den grössten Sanierungsbedarf aller städtischen Schulen auf. Aufgrund erheblicher Mängel bei Statik, Haustechnik, Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit ist eine Gesamtsanierung unumgänglich. Da das Gebäude unter höchstem kantonalem Denkmalschutz (K-Objekt) steht, ist ein Abbruch rechtlich unmöglich. Gleichzeitig ist der Standort für die Stadt Nidau unverzichtbar. Der Schutzstatus der Denkmalpflege und der bestehende Unterhaltsrückstand erhöhen die Komplexität der Planung erheblich.
Architektonischer Befreiungsschlag des Siegerprojekts
Nach der Bewilligung des Planungskredits durch den Stadtrat im Jahr 2022 wurde ein zweistufiges Verfahren für einen Studienauftrag durchgeführt. In einem ersten Schritt wurden im Rahmen einer Präqualifikation aus 26 Bewerbungen fünf Planungsteams ausgewählt. Diese erarbeiteten anschliessend im Studienauftrag ihre Lösungsvorschläge für die Gesamtsanierung der Schulanlage Weidteile. Als Sieger ging das Projekt der spaceshop Architekten GmbH hervor, die den Zuschlag für die weitere Planung erhielt. Das Vorhaben sieht wesentliche Verbesserungen vor:
- Heller Haupteingang: Durch den Abbruch der bestehenden Rampe wird das dunkle Sockelgeschoss massiv aufgewertet.
- Feste Integration der Tagesschule: Die bisher extern untergebrachte Tagesschule zieht fest in die Anlage ein, was den unbefriedigenden Zustand am aktuellen Aussenstandort nachhaltig beendet.
- Nachhaltige Energie: Die Gasheizung wird komplett durch einen Anschluss an die Fernwärme ersetzt. Die Sanierung verbessert sowohl den sommerlichen als auch den winterlichen Wärmeschutz deutlich. Eine Photovoltaikanlage ermöglicht zudem die ökologische Stromproduktion für den Eigenverbrauch.
- Erneuerung der Bausubstanz und der Haustechnik: Nach zum Teil 60 Betriebs-jahren haben verschiedene Bauteile und technische Anlagen das Ende ihrer Lebens-dauer erreicht. Mit der Gesamtsanierung werden die notwendigen Erneuerungen vor-genommen und die Schulanlage für die kommenden Jahrzehnte fit gemacht.
- Signalwirkung fürs Quartier: Das Projekt setzt einen wichtigen gestalterischen Im-puls, der die aktuell laufende, umfassende Quartieraufwertung im Weidteilegebiet massiv unterstützt und stärkt.
Um eine belastbare Kostengrundlage zu schaffen, läuft derzeit das optimierte «Vorprojekt Plus», für welches der Stadtrat im Jahr 2025 den Projektierungskredit einstimmig bewilligte.
Im Finanzplan-2026-2031 ist die Sanierung inklusive Schulraumprovisorien mit 32 Millionen Franken eingestellt. Der Gemeinderat setzt sich dafür ein, ein zweckmässiges und finanziell tragbares Projekt zu erarbeiten. Klar ist bereits heute, dass die Gesamtsanierung für die Stadt Nidau eine ausserordentlich grosse Investition darstellt. Sie ist zugleich eines der zentralen Grossprojekte der städtischen Investitionsplanung. Langfristig sind zur Werterhaltung der öffentlichen Infrastruktur und für notwendige Entwicklungen gemäss der städtischen Finanzstrategie durchschnittliche Investitionen von 4 bis 5 Millionen Franken pro Jahr vorgesehen. Gleichzeitig besteht eine jährliche Selbstfinanzierungslücke von rund 4 Millionen Franken. Um diese strukturelle Lücke zu schliessen und die Finanzierung der anstehenden Investitionen zu sichern, hat der Gemeinderat zu Beginn der Legislatur das Finanzpaket 2026-2029 geschnürt. Es umfasst 20 weitere Massnahmen in den fünf Bereichen Effizienz, Gebühren, Anlagen, Stadtentwicklung und Steuern und soll die Selbstfinanzierung der Stadt nachhaltig stärken.
Optimaler Standort für das Schulprovisorium
Da die Schulanlage während der Bauphase nicht genutzt werden kann, wird ein temporärer Modulbau errichtet. Nach intensiver Prüfung verschiedener Optionen hat der Gemeinderat den Standort auf der Spielwiese am Aalmattenweg 46 (Parzelle Gbbl. Nr. 767) beschlossen. Dieser Standort überzeugt durch:
- Nähe zum Einzugsgebiet der Schulanlage Weidteile.
- Sichere Lage in einem verkehrsberuhigten Quartier.
- Direkte Nachbarschaft zum Kindergarten Aalmatten für die optimale Nutzung be-stehender Infrastrukturen und Synergien.
- Keine Mietkosten, da sich die Parzelle im Eigentum der Stadt Nidau befindet.
Zeitplan und nächste Schritte
- Oktober 2026: Öffentliche Informationsveranstaltung für die Bevölkerung zum Standort des geplanten Provisoriums.
- 2027: Politische Beratung und voraussichtliche Volksabstimmung über den Verpflichtungskredit.
- 2030: Geplanter Baubeginn und Bezug des Provisoriums.
- 2032: Geplante Inbetriebnahme der fertig sanierten Schulanlage.
Bevölkerung wird frühzeitig informiert
Der Gemeinderat legt grossen Wert auf eine transparente Information, insbesondere für das betroffene Aalmattenquartier. Aus diesem Grund findet am Donnerstag, 22. Oktober 2026, um 19:30 Uhr in der Aula Schulhaus Weidteile eine öffentliche Informationsveranstaltung in Anwesenheit des Stadtpräsidenten Tobias Egger sowie der zuständigen Gemeinderäte Markus Baumann (Ressort Hochbau) und Käthy Lützelschwab (Bildung, Kultur und Sport) statt. Anlässlich der Informationsveranstaltung werden die Standortwahl sowie Details zum geplanten Provisorium erläutert.